Perry Rhodan-Paket 40: Materia - Perry Rhodan-Heftromane 1950 bis 1999

von: Perry Rhodan Redaktion

Perry Rhodan digital, 2014

ISBN: 9783845329796 , 3000 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

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Preis: 59,99 EUR

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Perry Rhodan-Paket 40: Materia - Perry Rhodan-Heftromane 1950 bis 1999


 

1.


 

Perry Rhodan hat die Menschheit in den Kosmos geführt.

Er war der Großadministrator seines Volkes, er war der Erste Terraner, und er war ein Ritter der Tiefe.

Heute ist er der Sechste Bote von Thoregon. Er glaubt daran, dass das Wohl und Wehe in sechs Galaxien von seinem Einsatz abhängt.

Perry Rhodan glaubt daran, dass die Menschheit nicht ohne einen Sinn existiert.

Wenn die Terraner von der kosmischen Bühne abtreten, werden sie eine Spur hinterlassen haben. In einer Million Jahren wird ein Geschöpf in einer fernen Galaxis ein Buch aufschlagen, und es wird die Namen der Menschen verzeichnet finden.

(Aus: Hoschpians unautorisierte Chronik des 13. Jahrhunderts NGZ; Appendix XI, Propheten der Zukunft.)

 

Rhodan holte tief Luft, und er verspürte den beinahe unwiderstehlichen Drang, es sich im letzten Moment noch einmal anders zu überlegen.

Dann bekundete er widerwillig: »Monkey, es gibt ein Problem.«

»Was für ein Problem ist das, Perry Rhodan?«

Er vergewisserte sich, dass die Tür wirklich geschlossen war. Rhodan wollte nicht, dass jemand zufällig ihre Unterhaltung hören konnte.

An Bord der GOOD HOPE III hielten sich tausend TLD-Einsatzagenten auf. Es gab nicht viele private Ecken, in die man sich zurückziehen konnte.

Rhodan musterte den kahlköpfigen Mann, der vor ihm stand, mit einem langen, prüfenden Blick, bevor er Antwort gab: »Dieses Problem ist persönlicher Natur.«

Monkey sah aus wie ein Android, mit samtfarbener, ebenmäßiger Haut und einer unnatürlich wirkenden, massiven Körperstruktur. Er war zwei Meter groß und sehr breit gebaut. Seine Heimat war der Extremplanet Oxtorne. Menschen von Monkeys Art überlebten hundert Grad minus ebenso wie Temperaturen am Siedepunkt. Sie waren so widerstandsfähig wie die besten Kampfroboter.

Außerhalb von Oxtorne wurde Monkey zu einem mächtigen, beinahe unbesiegbaren Wesen.

Der Mann besaß keine Augen. Statt dessen drängten aus seinen Augenhöhlen zwei schwarze Kameraobjektive.

Rhodan wusste, dass Monkey seine Augen bei einem Unfall verloren hatte. Die schwarzen Linsen waren ein technisch hochwertiger Ersatz, der allerdings eine verunsichernde Wirkung ausübte.

Die Mischung aus Mensch und Maschine – niemand in der GOOD HOPE III verkörperte sie besser als dieser Mann.

Rhodan spürte, wie eine unbestimmte Ablehnung in ihm hochstieg. Aber er wollte nicht ungerecht sein. Er hatte eine Bitte an Monkey zu richten, und er durfte nicht sein Gegenüber dafür verantwortlich machen, dass er als einziger gewisse Fähigkeiten besaß.

»Was für ein Problem hast du, Perry Rhodan?«, beharrte der Oxtorner noch einmal.

»Ich möchte, dass du Mondra Diamond in der bevorstehenden Schlacht beschützt.«

Einen Moment lang zögerte der Oxtorner. Monkey holte Luft – obwohl er nur einmal alle zwei Minuten atmen musste –, dann sagte er: »Das kann nicht dein Ernst sein, Rhodan.«

»O doch.«

Mondra Diamond – ehemals eine Zirkusartistin, später TLD-Agentin, seit einiger Zeit in Rhodans Mitarbeiterkreis. Und außerdem war sie die Frau, in die der Aktivatorträger sich möglicherweise verliebt hatte.

Sie besaß eine sehr große Bedeutung für ihn.

»Wie kommst du auf den Gedanken«, fragte Monkey nach einer Weile, »dass sie Hilfe braucht?«

»Etwas an ihr ist anders als sonst. Sie hat ein Geheimnis vor mir. Es muss sich um etwas sehr Wichtiges handeln, sonst hätte ich an ihr nicht diese ...«, Rhodan suchte nach Worten, »... diese Veränderung festgestellt.«

»Um was für eine Veränderung handelt es sich?«

»Das werde ich dir nicht sagen. Du sollst sie nicht ausforschen, Monkey, sondern beschützen.«

»Sie kann mich nicht leiden. Sie wird mich nicht an sich heranlassen.«

»Ich habe dich und sie in dieselbe Kampfgruppe eingeteilt.«

»Wenn du dir um Mondra Sorgen machst, hättest du sie besser in Alashan lassen sollen«, kritisierte Monkey.

Rhodan entgegnete distanziert: »Diese Bewertung steht dir nicht zu.«

Er wusste, dass der Oxtorner recht hatte, doch er konnte es nicht ändern. Mondra besaß einen schwer erklärbaren Einfluss auf ihn.

Lange Zeit hatte er jede persönliche Beziehung abgeblockt. Bis er Mondra Diamond begegnet war.

Die Frage lautete: Warum ausgerechnet Mondra Diamond? Sie war sehr schön, aber sie war nicht die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Mondra war intelligent und besaß Persönlichkeit, aber beides nicht einem Maß, das sie an die Spitze der Menschheit gehoben hätte.

Warum Mondra?

Rhodan hatte sich eine Theorie zurechtgelegt: Der Druck, sechs Galaxien und Thoregon retten zu müssen, hatte ihn zu einer emotionalen Gegenreaktion gezwungen. Mondra war ihm deshalb so nahe, weil er ohne menschliche Zuneigung den Druck nicht mehr ertragen konnte.

»Also: Wirst du sie beschützen, Monkey?«

»Ich werde tun, was mir sinnvoll erscheint.«

Rhodan war mit dieser Antwort nicht zufrieden. Er wusste, dass dies ein Todeskommando war und dass nicht jeder von ihnen nach Alashan zurückkehren würde.

Doch er öffnete Monkey die Tür, blickte den Oxtorner an und sagte nach einer Weile: »Danke.«

 

*

 

In dem Lagerraum befanden sich vier raketenartige Objekte. Jedes davon war gefährlich genug, um einen ganzen Planeten zu vernichten.

Perry Rhodan benutzte eine der Raketen als Sitzgelegenheit.

Er fixierte der Reihe nach die Personen, die sich versammelt hatten: sein alter Freund Reginald Bull; Fee Kellind, die Kommandantin der GOOD HOPE III; Mondra Diamond und Monkey – mit der größten möglichen Distanz zueinander, die der kleine Raum zuließ; außerdem der Positronik-Experte Trabzon Karett und der stellvertretende Kommandant Jon Cavalieri.

»Um es knapp zusammenzufassen: Wir haben zum ersten Mal die Chance, unseren Feind Shabazza festzunageln. Wir wissen, dass er auf Century I steckt, und wir wissen, dass er uns himmelweit überlegen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Shabazza uns erwartet. Dennoch werden wir ihn angreifen.«

Rhodan blickte erneut in die Runde. »Ich selbst werde das Landekommando anführen, meine Stellvertreter auf Century I sind Reginald Bull und Monkey.«

Fee Kellind, die Kommandantin der GOOD HOPE III, deutete auf die vier Raketenobjekte.

»Wir wollen wissen, was das da ist, Perry!«

Rhodan lächelte dünn.

»Damit machen wir Shabazza Feuer«, verkündete er, »und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Es handelt sich um vier Arkonbomben. Wir haben sie im Arsenal des TLD-Towers von Alashan gefunden. Der Terranische Liga-Dienst dürfte über solche Waffen eigentlich nicht verfügen. Aber wir wollen nicht undankbar sein.«

Rhodan machte in den Gesichtern der Anwesenden zweierlei Reaktion aus. Die einen zogen verständnislose Mienen, speziell die jüngeren Leute. Alle anderen wurden leichenblass.

»Eine Arkonbombe setzt auf einem Planeten einen Atombrand in Gang. Dieser Atombrand kann nicht mehr gelöscht werden. Je nach Dichte und Schwere der Elemente, die wir auf dem Planeten vorfinden, dauert die vollständige Vernichtung drei bis vier Tage. – Wohlgemerkt, nach diesen drei oder vier Tagen wird der Planet nicht mehr existieren. Er löst sich in Gas und Plasma auf.«

Fee Kellind starrte ihn argwöhnisch an. »Du willst die Bomben auf Century I abwerfen?«

»Ja.«

»Mal abgesehen von der ethischen Komponente: Das bedeutet, unsere Landetruppen haben auf Century I nur drei oder vier Tage Zeit, sich gegen Shabazza durchzusetzen. Ich halte das nicht für ausreichend.«

Perry Rhodan schüttelte den Kopf.

»Ich muss dich korrigieren, Fee. Drei bis vier Tage, das ist der Wert bei Einsatz einer einzigen Bombe. Wir legen den Atombrand an vier Stellen gleichzeitig. Es ist damit zu rechnen, dass Century I innerhalb von sechzehn Stunden untergeht.«

Kellind schien plötzlich wütend zu werden.

»Du hast tausend Agenten bei dir!«, erinnerte sie ihn. »In sechzehn Stunden kannst du es nie und nimmer schaffen!«

Rhodan schätzte Fee Kellind für ihre Angewohnheit, ihm die Wahrheit zu sagen. In diesem Fall beurteilte sie die Lage jedoch falsch.

»Du vergisst etwas, Fee. Mit jedem Kilometer Boden, den der Atombrand frisst, verliert Shabazza Stützpunkte und Ressourcen. Der Brand lässt den Planeten schnell instabil werden. Ich gedenke, diesen Umstand für unsere Zwecke auszunutzen.«

Fee Kellind öffnete den Mund, sie ballte die Fäuste, dann aber entschied sie sich, seine Entscheidung nicht mehr zu kommentieren.

Rhodan verfügte nicht über die notwendige Zeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Kellinds Aufgabe war, die GOOD HOPE III zu steuern. Sie war es, die das Landekommando absetzen musste. Er zweifelte nicht daran, dass sie ihre Aufgabe mit der größtmöglichen Perfektion erfüllen würde.

»Eines muss uns allen klar sein: Der Einsatz auf Century I richtet sich nicht in erster Linie gegen Shabazza. In erster Line geht es darum, das Raumschiff SOL zu erobern. Über den Standort der SOL können wir derzeit nichts aussagen. Shabazza könnte das Schiff auf einen anderen Raumhafen verlegt haben.

Die Einsatzkoordinaten für die Arkonbomben werden deshalb erst festgelegt, wenn der Standort der SOL zweifelsfrei geortet ist. Sonst bestünde die Gefahr, dass der Atombrand die SOL bereits nach einer oder zwei Stunden auffrisst.«

Kellind wagte einen letzten Einwand: »Könnte Shabazza mit der SOL nicht einfach starten und verschwinden?«

Rhodan erklärte mit einem...