Lachen mit Buddha - Anleitung für mehr Humor und Lebensfreude

von: Harald-Alexander Korp

Verlag Herder GmbH, 2016

ISBN: 9783451809217 , 224 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 14,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Lachen mit Buddha - Anleitung für mehr Humor und Lebensfreude


 

3.
Lachen – eine laute Kurzmeditation


»Im Anfang war das Lachen.
Und dann kam die Erziehung.«

Thomas Holtbernd

Dieses Buch will Sie dabei unterstützen, mithilfe buddhistischer Einsichten eine humorvolle Haltung gegenüber der Welt zu entwickeln und zu bewahren. Zum Humor gehört das Lachen, das, gemeinsam erlebt, Menschen auf einer tiefen empathischen Ebene verbindet und deshalb im Sinne der buddhistischen Lehren ein Zeichen von Mitgefühl und Mitfreude ist. Lachen entspannt Körper und Geist und wird so zu einer heilsamen Erfahrung. Lachen jedoch, das sich über jemanden stellt, vermag einen Menschen bloßzustellen und ihn zu verletzen. Es handelt sich also um einen sehr komplexen Vorgang, den es sich lohnt, genauer zu betrachten. Denn was passiert genau, wenn wir lachen und lächeln? Was bringt uns dazu? Und hat sich Buddha auch mal vor Lachen auf dem Boden gewälzt, hat er Witze erzählt?

In einem Saal des Hamburger Kongresszentrums lausche ich Seiner Heiligkeit, dem buddhistischen Lehrer, der vor Hunderten Zuhörern nachdenklich über die Leerheit aller Phänomene philosophiert. Die Atmosphäre ist konzentriert, nur hin und wieder hört man ein Räuspern oder Niesen.

Plötzlich bricht der Tibeter in lautes Lachen aus und ruft: »This is very, very difficult! Sometimes I don´t understand it by myself!« – »Das ist sehr, sehr kompliziert! Manchmal verstehe ich es selbst nicht!«

Auf der Leinwand lässt sich beobachten, wie sich sein Gesicht verformt, die Augen sich zu Schlitzen zusammenziehen, sein ganzer Körper ins Schlingern gerät und zu beben beginnt. Er lacht aus vollem Herzen. Seine Fans stimmen in das Lachen ein, lassen sich anstecken. Manche schütteln sich geradezu.

Eigentlich geht mir diese Dalai-Lama-Euphorie, dieses Anhimmeln des buddhistischen Popstars, ein bisschen auf den Geist (was etwas über meinem Geist erzählt), aber nun beginne auch ich zu grinsen, dann geräuschvoll zu giggeln. Mir fällt ein, dass die Satirezeitung Titanic dem Dalai Lama den Titel »Schmunzelmonster« verliehen hat. Irgendwie trifft es das ganz gut. Der Ozean der Weisheit verfügt über Macht, ist umstritten, zeigt Kraft und ein außergewöhnliches Schmunzeln. Einige fühlen sich von ihm bedroht, wie die Demonstranten vor dem Kongresszentrum mit ihren Plakaten, die in Sprechchören »Dalai Lama. Stopp lie!« – »Hör auf zu lügen« kundtun.

Davon ist hier drinnen nichts zu hören. Ich genieße es, für einen Moment zu entspannen, denn die buddhistische Philosophie ist ein harter Brocken. Mich erstaunt, wie viele Menschen so aufmerksam den Interpretationen des Dalai Lama folgen. Ich wundere mich außerdem über mich, weil ich ihm trotz des Dalai-Lama-Hypes so gerne zuhöre. Er ist eben nicht nur ein besonderer buddhistischer Lehrer, sondern dazu ein begnadeter Rhetoriker, wechselt behände zwischen An- und Entspannung.

Nach Beendigung der Lachpause spricht er weiter über die Buddha-Natur, über einen Urzustand der Freude, der in allen Wesen zu finden ist. Schon grinst er wieder, erntet vielfaches Zurückgrinsen und beweist, wie gut damit positive Kommunikation gelingt.

 

»Mein liebstes Hobby? Lachen!«

Dalai Lama

Mit der Freude am lustvollen Lachen ist der Dalai Lama in guter Gesellschaft. Zahlreiche tibetisch-buddhistische Lehrer lieben es, sich vor Lachen zu kugeln. Sogyal Rinpoche, Autor des Bestsellers Das tibetische Buch vom Leben und Sterben und Lehrer des tantrischen Buddhismus, verwendet gerne eine Trillerpfeife, um sein Publikum wach zu halten und sich über die erschreckten Gesichter köstlich zu amüsieren. Ich erlebte ihn bei einem Vortrag, bei dem er auf einem alten Bürostuhl saß, sich beim und vor Lachen im Kreis drehte, um zur Freude des Publikums damit fast umzukippen. Ringu Tulku Rinpoche, Lehrer eines buddhistischen Zentrums in Berlin, liebt es, sein Publikum mit Witzen zu unterhalten.

Auch Lehrerinnen und Lehrer anderer buddhistischer Traditionen schätzen den Wert des Lachens. Der australische Mönch Ajahn Brahm beginnt seine Dharma-Talks mit Anek­doten und sagt lachend von sich: »Ich bin nicht Theravada- oder Mahayana-, ich bin ein Haha-yana-Buddhist.« (Theravada und Mahayana sind unterschiedliche Traditionen im Buddhismus.) Bernard Glassman, amerikanischer Zen-Meister, nimmt gerne Unterweisungen bei einem Clown-Lehrer. Ayya Khema, eine Berliner Jüdin, die im »Dritten Reich« emigrierte, später buddhistische Nonnenorden in Sri Lanka und im Allgäu gründete und meinen buddhistischen Weg nachhaltig beeinflusste, erfreute ihre Schüler mit trockenem Berliner Humor.

Lang ist die Liste spaßbegabter Lehrer, für die Humor eine Haltung ganz im Sinne des Buddhismus ist. In allen buddhistischen Traditionen wird gelacht. Wie viel, das hängt zum einen vom individuellen Humorpotenzial der Meister und Adepten ab; zum anderen von den unterschiedlichen Regeln innerhalb einer buddhistischen Richtung, die die Lust am Komischen bestimmen.

Warum lachen viele Buddhisten so gerne? Warum gibt es andererseits Buddhisten, die dem Frohlocken wenig abgewinnen können?

Doch zunächst: Um was geht es eigentlich im Dharma, der Lehre, die vor rund 2500 Jahren von einem verkündet wurde, der Ehefrau, Sohn und Eltern verließ, um nach der Wahrheit zu suchen? Zuerst einmal um einen friedvollen Geist und ein mitfühlendes Miteinander. Vielleicht werden Sie einwenden, das sei ein bisschen wenig: Es drehe sich doch um Erleuchtung, Meditation, Karma, Leerheit, Buddha-Natur, Befreiung aus Samsara etc. Doch ein in sich ruhender Geist und die liebevolle Verbindung zu sich und anderen ist Basis für inneren und äußeren Frieden und damit für das Erwachen aus der Welt der Illusionen, wie Buddha es formulierte. Dies bedeutet nicht, dass kontrollierte, gefühllose Zombies das Ziel sind und aufwühlende Emotionen wie Lust, Freude, Wut, Zorn verwerflich wären. Auch sie gehören zum Repertoire menschlicher Ausdrucksweisen. Allerdings ist die Frage, wie man auf sie reagiert und mit ihnen umgeht.

Dass Lachen der Gesundheit und dem Miteinander zuträglich ist, mag für viele mittlerweile eine Binsenweisheit sein. Doch auf unserer Erde gibt es Kulturen, in denen Lachen stark reglementiert und nur ein Humor zugelassen wird, der den Herrschenden genehm ist. Humor darf die höchsten Autoritäten dann nicht auf die Schippe nehmen, sprich, sie weder kritisieren noch lächerlich machen. Im buddhistischen Thailand wandert man zum Beispiel ins Gefängnis, wenn man über den König lacht oder gar einen Witz über ihn reißt. Hier herrscht wie in zahlreichen anderen buddhistischen Kulturen eine traditionelle Hierarchie, in der Lehrer, Meister, Rinpoches und Lamas über einfachen Mönchen stehen, diese wiederum über Nonnen und alle zusammen über Laien. Dieses Machtgefüge kann Lachen und Humor erschweren, denn beide werden verdächtigt, Hierarchien infrage zu stellen.

Insbesondere in Regionen Indiens und Ländern wie Pakistan, Saudi-Arabien, Iran etc. gilt das Lachen der Frau als …

 

GONG! – Der Achtsamkeitsgong erklingt auf meinem PC. Ein tiefer Atemzug. Was erlebe ich gerade? Ich will jetzt kein Gewahrsein üben, ich will schnell weiterschreiben und ich muss noch einkaufen. Mist! Drei Atemzüge habe ich mir vorgenommen. Einatmen. Ausatmen. Ich höre das Autohupen auf der Straße, es riecht nach – nichts. Ich schmecke – nichts. Was sehe ich? Die Farben der Icons auf meinem Desktop. Sind mir eigentlich noch nie aufgefallen: orange, blau, grün, schön bunt. Staub auf dem Monitorrahmen. Muss ich mal wieder sauber machen. Wie fühle ich mich? Angespannt. Atmen. Entspannung. Eigentlich schön, so zu schreiben. Weiter!

 

… anstößig. In Indien prallt die Lust am Lachen auf ein patriarchalisch dominiertes Kastensystem, doch hat Lach-Yoga dazu beigetragen, dass Frauen in öffentlichen Parks laut, lustvoll und herzhaft lachen dürfen. Generell existiert in Religionen ein Misstrauen gegenüber dem Lachen, denn im Gegensatz zum milden Lächeln gilt es als derb und unkontrollierbar. Gerade deshalb entwickelt es eine Kraft, die heilsam sein kann. Es vermag Konzepte der Menschen von sich selbst und der Welt ad absurdum zu führen und das kann wehtun. »Dem Lachenden ist nichts heilig«, heißt es, auch nicht das Lachen. Wenn ich als Suchender auf absolute Sicherheit hoffe und deshalb meine Identität mit einer Lehre gleichsetze und untrennbar verbinde – und das kann im Buddhismus wie in allen Religionen passieren –, so können mich Witze und Lachen verletzen. Auch das gehört zum Buddhismus: das Knirschen der Konzepte in der Maschine der Wiedergeburt bewusst wahrzunehmen.

Was beim Lachen geschieht, erforscht eine noch recht junge Wissenschaft, die Gelotologie. Nach dem griechischen Wort gelos, Lachen, benannt, untersucht sie Lachen und dessen Auswirkungen auf Körper, Seele und Geist. Zunächst lässt sich feststellen: Lachen entspannt. Das zeigt sich beispielsweise beim Dalai Lama, für den das spaßvolle Vibrieren eine wirkungsvolle Entspannungsübung ist, die darüber hinaus noch das Publikum unterhält.

Ehe wir das näher untersuchen, fragen Sie sich selbst: Wann habe ich herzhaft gelacht?

Übung: Herzhaft gelacht

Vielleicht haben Sie einen guten Witz gehört? Oder Sie haben eine Situation erlebt, die komisch war. Vielleicht hat ein Comedian Sie zum Lachen gebracht. Vielleicht haben Sie sich an ein eigenes Missgeschick erinnert.

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